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Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen von Mc Claudia – Teil XII

Samstag, 17. Dezember 2011

November Eve:

Göttin: Große Mutter; Gott: schrecklicher Herr des Totenreiches.

Themen: Wissen um den Tod, die Tore zum Totenreich sind offen, sodass die Ahnen kommen können. Wunsch nach einem guten Tod und Wiedergeburt unter den Lieben.

Ritual: Fackeltanz, Reinigung durch Fesselung und Auspeitschung, Initiationen neuer Hexen, Großer Ritus.

Winter Solstice:

Göttin: Cerridwen, Göttin von Mond, Sonne, Himmel, Sterne, Wasser, Erde. Gebärerin des Gott-Babys. Gott: Kind der Verheißung, junger Sonnengott, Leitstern.

Themen: Die Dunkelheit wird durch die wiedergeborene Sonne erleuchtet.

Ritual: Feuer-Kessel im Süden, geschmückt mit Stechpalme, Efeu und Misteln. Neues Feuer wird weitergegeben. Sprung über den Feuerkessel.

February Eve:

Göttin: keine. Gott: Mystischer Gott des kristallinen Lichtes in allen Menschen.

Themen: Schwert. Tod und Auferstehung, Leben, Licht kristallisiert sich in allen Menschen, Mysterium, vergöttlichter Mensch.

Ritual: Reinigung mit acht Schlägen. Großer Ritus.

Spring Equinox:

Gottheiten der leitenden Flamme. Leitstern. Göttin: Cerridwen. Gott: Taliesin.

Themen: Verbannung schlechter Eigenschaften: Böses, Neid, Angst, Eifersucht. Beschwörung von Licht und Leben. Die Gottheiten mögen die Wege mit Liebe erleuchten. Verbundenheit mit allen Menschen.

Ritual: Rad, geschmückt mit Blumen. Feuerkessel im Osten. gegenseitige Segnungen. Sprung über den Feuerkessel. Gemeinschaftlicher fünffacher Kuss.

May Eve:

Göttin: Mondin, Mächtige Mutter, Fruchtbarkeitsgöttin der Natur. Gott: keiner.

Themen: Mit freier Sexualität und subversivem Zauber gegen die Prüderie der Kirche. Versprechen von Vieh, Korn, Sonnenschein, Leben und Liebe.

Ritual: Reiten auf dem Hexenbesen. Wilder Tanz. Eiche, Esche, Dornen als Schmuck. Gemeinschaftlicher fünffacher Kuss. Reinigung. Großer Ritus.

Summer Solstice:

Göttin: Cerridwen. Gott: Sonnengott. Erzengel Michael, Balin (aus „Herr der Ringe“??), König Arthur, Lugh (irischer Hochgott), Herne (mittelalterlicher geisterhafter Jäger aus England).

Themen: Segen der Sonne. Speer des Lichtes als Schutz vor Dunkelheit. Beschwörung der Natur. Berg der Visionen. Pfade der Gottheiten. Speer im Kessel, Lanze im Gral, Geist im Fleisch, Mann zu Frau, Sonne zu Erde. Vereinigung aller. Sonne trifft auf das Wasser des Lebens.

Ritual: Wasserkessel im Norden, Sommerblumen. Stab wird in den Kessel getaucht. Segnung mit Weihwasser aus dem Kessel.

August Eve:

Göttin: Mächtige Allmutter. Göttin der Fruchtbarkeit, der Ernte und Natur. Gott: keiner.

Themen: Früchte, Korn, Kinder, Wohlstand, Herden, starke Liebe.

Ritual: Reiten auf dem Hexenbesen. Doppelspiraltanz. Kerzenspiel.

Autumn Equinox:

Göttin: keine. Gott: Gehörnter Führer der Lüfte. Herr des Totenreiches und der Regeneration.

Themen: Sonne, immerkehrendes Licht. Der versteckte Gott geht ins Land der Jugend (= Totenreich der Regeneration), wo er herrscht und Götter und Menschen richtet. Unsichtbar stehen im Kreis die mächtigen Herren der äußeren Regionen. Der Gott ist in jedem Menschen immanent. Er ist das Mysterium der Saat, die neu aufkeimt, Saat des Fleisches, versteckt in der Erde, Saat der Sterne. Im Gott ist Leben und unendliches Licht der Menschen. Der Tod wird mit Freude erwartet in der Hoffnung auf Wiedergeburt.

Ritual: Schmuck von Kiefernzapfen, Eicheln, Eichenzweige, Kornähren. Dreimaliger Tanz um den Altar mit Sistrum (in Anlehnung an die Isis-Mysterien?), Kerzenspiel. Großer Ritus.

Janet Farrar erzählte auf einem Vortrag, dass auch die Riten im Sanders-Coven anfangs recht einfach waren, vor allem aber stark durch die Kabbala geprägt (die für Sanders eine große Rolle spielte). Erst nach und nach stöberte man in britischen, keltischen und anderen Mythen und Brauchtümern, um die acht Sabbate zu bereichern. 1981 findet man das „Endergebnis“ in ihrem Buch „Eight Sabbats for Witches“. Die Rituale selbst schauen schon viel bunter und anspruchsvoller aus. Außerdem bietet das Buch sehr gute Theorieteile zu den acht Jahreskreisfesten – und nebenbei auch einige schrullige Ritualfotos.

In Farrars Werk findet man einen hinter dem Jahresrad stehenden Mythos, der sich um die Göttin (die ihre Attribute durch das Jahr wechselt), den Sonnengott (der mit den Jahreszeiten erstarkt und vergeht) und die Vegetationsgötter Holly-King (Stechpalmkönig) und Oak-King (Eichenkönig) dreht. Zu Yule und Midsummer kämpfen die beiden Baumkönige um die Vorherrschaft, wobei je einer unterliegt. Und zu Bealtaine und Lughnasadh feiern sie je Hochzeit mit der Göttin und werden von ihr anschließend geopfert und wiedergeboren (wenn das mal nicht stressig ist …). Die Figuren des Oak-King und des Holly-King dürften eine Wicca-Interpretation verschiedener Mythen sein und vielleicht auch auf Graves‘ Ogam-Kalender (siehe Kapitel über das Neodruidentum) zurückgehen. Ich fand diese Gestalten nach meiner Internetrecherche nirgends sonst.

Folgende Tabelle, die man in Farrars Buch findet, soll den Mythos um die Göttin und ihre wechselnden Jahresabschnittspartner veranschaulichen:

Fest Licht / Dunkel Göttinaspekt Vegetationsgott Sonnengott
Yule Tiefpunkt der Dunkelheit Göttin gebiert den Sonnengott Eichenkönig besiegt den Stechpalmkönig wird von der Göttin geboren
Imbolg erste Lichtstrahlen Geburt/ Initiation Eichenkönig erstarkt steigt auf
Spring Equinox Ausgleich von Licht und Dunkel, Licht erstarkt Initiation Eichenkönig erstarkt steigt auf
Bealtaine Licht dominiert Göttin verbindet sich mit dem Eichenkönig Eichenkönig verbindet sich mit der Göttin, wird geopfert und wiedergeboren steigt auf
Midsummer Höhepunkt des Lichts Vollendung Stechpalmkönig besiegt den Eichenkönig ist am Höhepunkt
Lughnasadh erstes Auftauchen der Dunkelheit Göttin verbindet sich mit dem Stechpalmkönig Stechpalmkönig verbindet sich mit der Göttin, wird geopfert und wiedergeboren versinkt
Autumn Equinox Ausgleich von Licht und Dunkel, Dunkelheit erstarkt Ruhe Stechpalmkönig wird schwächer versinkt
Samhain Dunkelheit dominiert Ruhe / Tod Stechpalmkönig wird schwächer versinkt

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen von Mc Claudia – Teil VI

Samstag, 23. April 2011

Wenn Jahreskreisfeste um die Welt reisen

Kommen wir nun zu einer interessanten Problematik. Wir haben gesehen, dass die klimatischen Bedingungen und der Sonnenlauf meistens einen Haupteinfluss auf den Sinn der Jahreskreisfeste haben. In den traditionellen Religionen, die meist auf die jeweiligen Völker beschränkt geblieben sind, ist das weiter kein Problem. In dem Moment, wo aber Religionen oder Kulturen expandieren, missionieren oder sich anderweitig ausbreiten (z. B. durch Migration) werden natürlich auch Festtage und Mythen exportiert. Wenn es sich um Mythen oder Feiertage handelt, die keinen Bezug zu Natur und Klima des Heimatlandes haben, ist das nicht so schlimm. Wenn es aber Feste oder Bräuche sind, die mit der Vegetation oder dem Sonnenstand zu tun haben, wird es manchmal sehr grotesk.

Weihnachten, das ja absichtlich zur Wintersonnenwende installiert wurde, fällt auf der Südhalbkugel auf den Sommerbeginn. (Zum Weihnachtsdatum siehe das Kapitel über das Christentum.) Dessen ungeachtet wird auch auf der Südhalbkugel am 25. Dezember Weihnachten gefeiert, was irgendwie recht komisch anmutet. Noch krasser wird es, wenn Menschen außerhalb der entsprechenden kulturellen Heimat traditionelle oder neuheidnische Religionen praktizieren wollen, da diese oft unmittelbar mit dem Heimatland zu tun haben. Wie also z. B. brasilianische Keltenfans mit dem altirischen Kalender umgehen, wann Ásatruar in Australien nun Jul feiern, oder ob es viel Sinn hat, an der schönen blauen Donau den Beginn der Nilüberschwemmung zu feiern, bleibt fraglich.

Es gibt dafür grundsätzlich zwei Lösungsansätze: Der eine ist, dass man den Mythos von der irdischen Begebenheit abhebt und 1:1 einfach auf die andere Klimazone überträgt. Das heißt, Jul ist immer Jul, auch wenn grad auf der Südhalbkugel der längste Tag des Jahres stattfindet. Da alle Germanenfreaks auf der Nordhalbkugel auch am 21. Dezember Jul feiern, so die Idee, wirkt das Datum automatisch und ist daher auch richtig für die Südhalbkugel. Je mehr Menschen also zu einem bestimmten Datum das Fest feiern, desto mächtiger wird das Fest an sich – unabhängig von der tatsächlichen Jahreszeit und Vegetation. Auf diese Weise funktionieren dann auch die vier altirischen Feste im brasilianischen Regenwald, und die Donau muss eben kurz mal so tun, als wäre sie der Nil. Die zweite Möglichkeit ist, dass man die Kalender und Feste der jeweiligen klimatischen Realität anpasst. Das würde bedeuten, dass man auf der Südhalbkugel die Feste gegengleich feiert, also Jul am 21. Juni, weil das dort der kürzeste Tag ist. Das würde bedeuten, dass unser Keltenfan in Brasilien die dortigen Klimabedingungen als Kalendergrundlage für die keltischen Feste verwendet oder sogar, dass einheimische brasilianische Feste einen Synkretismus mit dem irischen Festkreis eingehen und dass die Donau vielleicht einfach so in einem angepassten ägyptischen Ritus gefeiert wird, ohne jetzt den Nil samt Überschwemmung bemühen zu müssen. Beide Lösungen haben gute Gründe und ihre Nachteile.

Das achtspeichige Jahresrad

Beschreibung

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste (auch „achtspeichiges Jahresrad“ oder „achtfaches Jahr“ genannt) setzen sich im Prinzip aus zwei Festkreisen zusammen: die vier vom Sonnenstand beeinflussten Feste, nämlich Wintersonnenwende (21./22. Dezember), Frühlingsäquinoktium (20./21. März), Sommersonnenwende (21. Juni) und Herbstäquinoktium (22./23. September) einerseits, (die ich im Folgenden immer „Sonnenfeste“ nenne) und die Feste am 1. Februar, 1. Mai, 1. August und 1. November andererseits, (die ich im Folgenden immer „Feuerfeste“ nenne). Diese beiden Festkreise zusammengelegt ergeben das achtspeichige Jahresrad, hier vorgestellt mit den im Wicca (und verwandten neuheidnischen Traditionen) üblichen Namen, wobei ich mit der Wintersonnenwende beginne, weil ich das am passendsten finde:

21./22. Dezember:

Jul, Yule, Mittwinter, Midwinter, Wintersonnenwende, Winter Solstice

(Winterbeginn, Tod und Wiedergeburt der Sonne)

1. Februar:

Imbolc, Brighid, February Eve, Lichtmess, Candlemas

(Wintermitte, erstes Sonnenlicht)

20./21. März:

Ostara, Eostre, Summerfinding, Frühlingsäquinoktium, Spring Equinox,

Vernal Equinox, Lady Day

(Frühlingsbeginn, Vegetation ersteht neu)

1. Mai:

Beltaine, Walpurgisnacht, Maifeiertag, May Day, Hohe Maien, May Eve

(Frühlingsmitte, Natur erblüht und erstarkt)

21. Juni:

Litha, Mittsommernacht, Midsummer, Sommersonnenwende, Summer Solstice

(Sommerbeginn, Sonnenfest)

1. August:

Lughnasad, Schnitterfest, August Eve, Lammas, Loaf Mass

(Sommermitte, Erntefest)

22./23. September:

Mabon, Herbstfest, Erntedankfest, Harvest Home, Winter Finding,

Herbstäquinoktium, Autumnal Equinox, Fall Equinox

(Herbstbeginn, Erntedank, Vegetation verwelkt)

1. November:

Samhain, Halloween, Hallowmas, November Eve

(Herbstmitte, Nebel, Vegetation ist gestorben)

Wenn man ein Jahr wie ein Ziffernblatt darstellt und die acht Jahreskreisfeste darin markiert, ergibt sich ein fast symmetrisches Bild eines achtspeichigen Rades. Aber nur fast. Die zwei Einzeljahreskreise für sich genommen sind symmetrisch. Zusammengelegt schaut es ein bisschen schief aus, denn die Anzahl der Tage zwischen den einzelnen Festen variiert etwas:

21. Dez. – 1. Feb:       41 Tage

1. Feb. – 20. März:     46 Tage

20. März – 1. Mai:      41 Tage

1. Mai – 21. Juni:        50 Tage

21. Juni – 1. Aug.:      40 Tage

1. Aug. – 22. Sep.:     51 Tage

22. Sep. – 1. Nov.:     39 Tage

1. Nov. – 21. Dez:      49 Tage

Die Zwischenräume von einem Sonnenfest bis zum nächsten Feuerfest dauern durchschnittlich 40 Tage (ca. 10 Tage bis Monatsende plus ein ganzer Monat). Die Zwischenräume von einem Feuerfest bis zu einem Sonnenfest dauern durchschnittlich 49 Tage (ein Monat plus ca. 20 Tage), sind also neun Tage länger. Trotzdem kann man durchaus behaupten, dass die Feuerfeste etwa in der Mitte zwischen zwei Sonnenfesten liegen und umgekehrt. Das achtspeichige Jahresrad zeichnet sich also durch eine annähernde Symmetrie aus und auch durch sehr einfach einzuprägende Daten. (Ein Feuerfest fällt immer auf den Monatsersten des übernächsten Monats nach einem Sonnenfest).

The Birth of the Sun

Montag, 27. Dezember 2010

Das Pagan Piper Project war wieder fleißig und hat zu Yule dieses Lied herausgebracht: