Mit ‘yule’ getaggte Artikel

Jimmy feiert Yule geschrieben von Evelien Ros, übersetzt von Witch2be

Samstag, 03. Januar 2015

Für dieses Jahr kommt unserer Yule-Geschichte zwar ein wenig spät – aber unser Archiv ist ja beständig und so kann sie vielleicht für nächstes Jahr bei euch zum Einsatz kommen.

Jimmy feiert Yule

Der kleine Igel Jimmy kletterte aus seinem warmen Körbchen, weil er im Wohnzimmer Geräusche hörte. Er ging dem Lärm nach und sah Isobel, wie sie einen Baum ins Haus schleifte. Besorgt lief er auf sie zu und fragte: “Was machst Du da? Glaubst Du ich habe Sehnsucht nach dem Wald? Habe ich nicht, wenn ich den Wald brauche, gehe ich hinaus.”

Isobel stellte den Baum aufrecht in ein Eck und lachte. “Nein, Du Dummkopf … das ist unser Yulebaum für dieses Jahr! Ich bringe ihn ins Haus, damit wir ihn schmücken können.”
Jimmy schaute ein bisschen skeptisch “ Wie für Samhain?” Offensichtlich hatte er sich noch nicht ganz von dem Schrecken von den geschnitzten Kürbissen erholt. Isobel tat er leid und sie kniete sich zu ihm herunter. “Ein bisschen wie Samhain,” gab sie zu, “ aber viel weniger unheimlich”. Jimmy seufzte erleichtert auf. “Kann ich mithelfen?” bot er an, aber Isobel lehnte ab. “Der Schmuck wird oben hingehängt, aber Du kannst mir helfen, die Dekoration für den Waldtierbaum auszusuchen. Das ist der kleine Baum am Waldrand. Ich habe darüber in einem Pagan Newsletter gelesen. Diesen Baum will ich auch schmücken, aber nur mit Dingen, die die Waldtiere essen können.” Diese Idee fand Jimmy wundervoll, weil er wusste, dass viele seiner Waldfreunde im Winter hungrig waren. Sie machten aus, dass Isobel zuerst das Haus schmückte und dann würden sie rausgehen. Später am Abend machte Jimmy sich ein bisschen Sorgen, ob die Waldtiere auch wussten, dass der Baum für sie war. “Wenn Du Dir ganz sicher sein willst, dann gehe morgen zu ihnen und sag es ihnen”. Damit zufrieden kuschelte Jimmy sich an Isobel und schaute wie sich die Flammen im Yuleschmuck spiegelten.
Am nächsten Morgen trotzte Jimmy der kalten Winterluft und ging hinaus um seine Freunde zu finden. Zuerst glaubten sie ihm nicht, aber als er ein paar tapfere Waldtiere überredete sich den Baum anzuschauen, sprach es sich wie ein Lauffeuer herum. Schon bald war er von neugierigen Waldtieren umgeben, die diesen wundersamen Baum sehen wollten. Jimmy erzählte ihnen, dass es ein Geschenk von “seinem Menschen” war und dass sie eingeladen waren sich richtig satt zu essen. Isobel hatte ein Lager mit essbaren Dekorationen angelegt und konnte den Baum mindestens noch vier Mal nachschmücken. Als er zurück ins Haus trippelte, konnte er in der Dämmerung gerade noch den Baum und die Gruppe von Waldtieren sehen. Dieser Anblick wärmte sein Herz und machte ihn sehr glücklich.
Als er in die Küche kam, roch es wunderbar nach warmen Äpfeln und Gewürzen. Isobel hatte warmen Apfelcider gemacht. Sie sah aus dem Fenster  zum Wald und lächelte. Als sie Jimmy hereinkommen hörte, drehte sie sich zu ihm. “Es scheint, sie freuen sich über ihr Geschenk” meinte sie. Jimmy nickte und gemeinsam sahen sie seinen Freunden zu, wie sie die Leckereien am Baum genossen, bis es schließlich zu finster war und sie nichts mehr erkennen konnten.
Dann hob Isobel Jimmy hoch und trug ihn ins Wohnzimmer. Dort setzte sie ihn neben ihren eigenen Baum und sagte: “Ich habe auch ein Geschenk für Dich”. Sie gab ihm ein hübsches kleines Halsband aus kunstvollen Silber. Es sah aus wie eine Kette aus Stechpalmenblättern und –beeren. Auf seinen Wunsch legte sie es ihm an und er lief zum Yulebaum um sich in einem niedrig hängenden Silberschmuck zu bewundern. Er drehte sich um zu Isobel und sagte: “Ich liebe es! Aber ich habe kein Geschenk für Dich…..” Da lächelte Isobel, hob ihn hoch und kuschelte mit ihm. “ Doch, das hast du, Du gibst mir Deine Freundschaft und Deine Liebe. Du hast meine Einsamkeit vertrieben. Das ist Dein Geschenk für mich. Danke!” Und sie gab ihm einen zärtlichen Kuss auf die Nasenspitze


Ganz herzlich bedanken wollen wir uns bei den „Pooka´s Pages“ und bei Lora, die uns erlaubt hat diese Geschichte für Euch zu übersetzen

Die längste, dunkelste Nacht des Jahres übersetzt von Anufa

Samstag, 31. Dezember 2011

Viele Eltern, die selber „alternativ religiös“ sind, machen sich Gedanken, was sie ihren Kindern zu den Feiertagen anstatt der christlichen Weihnachtsgeschichte erzählen sollen. Im Netz habe ich diese wunderschöne Weichnachtsgeschichte der anderen Art gefunden und übersetzt. Solltet ihr den/die Urheber kennen oder eruieren können (mir ist das nicht gelungen, deshalb hat sich dieser Artikel auch einige Zeit verzögert), dann wäre ich sehr dankbar!!
Die längste, dunkelste Nacht des Jahres

Vor langer, langer Zeit lebte einmal eine wunderschöne junge Frau auf einer blaugrünen Insel. Sie hatte dort viele Freunde, Feen, Bäume, Blumen, Hasen, Rehe und Vögel … aber sie war das einzige menschliche Wesen, das dort wohnte. So gerne wollte sie ihre Freunde und ihre Geheimnisse mit anderen Menschen, wie sie selber einer war, teilen – deshalb begann sie zu gebären. Jeden Monate, sobald der Mond sich versteckte, gebar sie. Die ersten sechs Monde des Jahres gebar sie Töchter mit dunkler Haut und dunklen Augen. Die letzten sechs Monde des Jahres gebar sie Töchter mit heller Haut. Am dreizehnten Mond jedes Jahres gebar die erste Mutter die magische, heilige Eiche.

Die Jahre gingen ins Land und es wurden viele, viele Töchter geboren, natürlich auch etliche Eichen. Die Töchter spielten miteinander und mit den Tieren, sie kletterten durch die Zweige der Eichen und sammelten Blumen mit den Feen. Eines Tages gebar die erste Tochter der Ersten Mutter selbst. Die erste Mutter war sehr stolz und glücklich. Ihr bester Freund, Eiche (die sehr weise war) setzte ihr eine silberne Krone auf den Kopf und erzählte ihr, dass sie nun Großmutter wäre. Bald schon gebaren viele Töchter und die Insel wurde dadurch ein noch glücklicherer Platz, voll mit Babies, großen Mädchen und Müttern, die alle zusammen mit den Tieren, Bäumen und Feen spielten.

In einer Winternacht, als sich der Mond wieder versteckte, gebar eine der Töchter ein Kind, das sich von allem unterschied, was sie bisher gekannt hatten. Es war keine Tochter! Es war nicht einmal eine Eiche. Es war ein kleiner Junge! Es war eine sehr dunkle und sehr kalte Nacht, die längste Nacht des ganzen Jahres, und deshalb kuschelten sich die ganzen Töchter und Tiere zusammen um sich gegenseitig gemütlich warm zu halten. Nachdem ihre Aufregung darüber, dass ein völlig neues Kind geboren worden war, vorüber war, fiel den Töchtern und Tieren auf, dass es dem kleinen Jungen nicht gut ging. Er war nicht so stark und auch nicht so warm wie die Kinder und Bäume, die üblicherweise auf der Insel geboren wurden. Sie machten sich alle Sorgen um das neue Kind und bemühten sich es warm zu halten. Die Tiere mit dem dicksten Fell drückten sich nahe an die Mutter und das Kind, die Feen streuten Zauberstaub über ihn und die kleinen Mädchen sangen wundervolle Lieder und tanzten rund um den ganzen Raum.

Aber der kleine Junge wurde einfach nicht warm genug und bald war er zu kalt und sogar zu müde um zu weinen oder die heilsame Milch seiner Mutter zu trinken. Die Großmutter fürchtete sehr um den kleinen Jungen. Sie versuchte ihre Tränen vor ihren Töchtern zu verstecken und lief hinaus in den Wald. Der Schnee lag sehr tief und glitzerte weiß. Sie versuchte zu gehen, aber er lag einfach zu tief. Deshalb trug sie ihre Freundin, die Eule, weit über den schneegefüllten Wolken tief in den magischen Wald, wo ihr erstgeborener, heiligster und sehr weiser Freund, die Eiche, wohnte. Die erste Großmutter wollte ihren Freund um Rat wegen des kleinen Jungen bitten. Sobald die Eule die Lichtung erreicht hatte, auf der die heilige erste Eiche lebte, keuchte die Großmutter! Dort lag kein Schnee auf der Erde und in der Mitte eines perfekten Kreises lag ihr Freund, die Eiche. Der Baum war umgefallen und in einen Haufen Stammstücke und Äste zerbrochen. Sie beeilte sich und kniete neben dem zerbrochenen Baum. Ihre Tränen verwandelten sich auf ihren Wangen in funkelnde Eiszapfen.

Während sie versuchte zu verstehen, was ihrem lieben Freund geschehen war, betrat ein Kojote den Kreis und tauchte neben ihr auf. Zuerst küsste der Kojote ihre Tränen weg und flüsterte dann ein Geheimnis ins Ohr der Großmutter. Die Großmutter nickte und sammelte mit Hilfe des Kojoten und der Eule einige Äste von ihrem ältesten Freund, der Eiche, ein und sie kehrten zu ihrer Tochter und dem kleinen Jungen zurück.
sie verwendeten die Geschenke der Eiche und das Geheimnis des Kojoten und damit entfachte die Großmutter das erste Feuer, das niemand auf der Insel zuvor gesehen hatte. Die Feen waren erschrocken. Sie hatten noch nie etwas ohne Flügel so tanzen sehen. Die Tiere lachten. Sie hatten noch nie so helle Farben gesehen, außer bei den Frühlingsblumen. Die Töchter wussten nicht, was sie tun sollten. Sie hatten noch nie etwas so Warmes gefühlt, wie der Sommersand am Strand und das mitten im Winter.

Die Mutter brachte den kleinen Jungen nahe ans Feuer heran, näher als jeden anderen (sie fürchteten sich noch immer ein wenig vor diesem neuen Ding, das sich Feuer nannte). Der kleine Junge öffnete seine Augen ein klein Wenig und begann seine Finger zu bewegen. Dann lächelte er und bewegte auch seine Zehen. Dann war er warm genug, kuschelte sich an seine Mutter und trank Milch von seiner Mutter. Bald waren sich alle sicher, dass es dem Kleinen gut gehen würde. Alle waren so froh, dass sie rund ums Feuer tanzten, ihre Lieblingslieder sangen und dem Feuer kleine Geschenke gaben.

Der kleine Junge wuchs und wurde, wegen des Geschenks der Eiche, stark und glücklich. Er hatte selber viele Söhne und brachte ihnen allen bei, am dreizehnten Vollmond des Jahres, Eicheln zu pflanzen, damit auf der Insel immer viele, viele Eichenbäume wachsen sollten. Jeden Winter, in der längsten und dunkelsten Nacht des Jahres, entfachten die Menschen auf der blaugrünen Insel, ein ganz besonderes Feuer. Sie brachten einen ganz speziellen Baum in die Häuser, schmückten ihn mit leuchtenden Verzierungen und glitzerndem Feenstaub. Sie suchten einen ganz besonderen Ast oder Stamm aus und sangen ihre Lieblingslieder während sie ihn schmückten. Dann stellten sie diesen wunderschönen Stamm als Geschenk in den Mittelpunkt und alle Kinder hörten die Geschichte des Geschenks der ersten Eiche.

Wann immer ihr in der längsten Nacht des Jahres eine Kerze anzündet oder ein Feuer entfacht, erinnert euch an die Geschichte der ersten Großmutter und den Kojoten, der ihr ein Geheimnis verriet. Ganz egal wie kalt und dunkel es scheint, die Sonne wird immer wiedergeboren werden und uns wieder Licht und Wärme bringen.

Mithras steht für Weihnachten – Teil I von Kim Morgan übersetzt von Anufa

Samstag, 24. Dezember 2011

Als Heiden kennen wir wohl alle die Frustration, dass unsere Yule-Traditionen vom weltlichen Christentum durch die Jahrhunderte vereinnahmt und als Eigentum beansprucht worden sind. Wo fangen wir an …

  1. Erlöser geboren von Jungfrauen – Isis und Horus
  2. Die Geburt der Sonne/des Sohnes, der/der Gott ist, im tiefsten Winter
  3. Grünpflanzen ins Haus zu bringen um es zu erneuern
  4. Der „Yule Log“ – nicht die Schokoladenversion sondern ein Holzscheit, das die zwölf Weihnachtstage durchbrennen würde
  5. Die zwölf Weihnachtstage – Wintersonnwende bis zur alten Wintersonnwende
  6. Der Weihnachtsmann in Rot gekleidet – Rot und Weiß, die Farben, die in dieser Jahreszeit beim bärtigen Fliegenpilzheiligen zu finden sind, der Magie wirkt, ein Schamane aus dem Norden

Wo fangen wir also an um die heidnischen Ursprünge von Weihnachten zu finden? Sowohl im alten Ägypten als auch in Babylon wurde das Fest des Sohnes von Isis oder Astarte (Muttergottheiten) am 25. Dezember gefeiert. Diese Feiern basierten auf wilden Feiern mit massenhaft Speisen und Getränken und dem Austausch kleiner Geschenke zwischen Freuden und Familie.

In der ganzen heidnischen Welt gibt es rund um die Zeit der Wintersonnwende Feiern. In Rom gab es einige Festtage und Feiern die stattfanden, einschließlich der Saturnalien, die sich über sechs Tage rund um die Wintersonnwende erstreckten und die wesentlich älter als jede christliche Einmischung.

Gemeinsam mit den Saturnalien in rom gab es die Calenden des Jänner, die parallel zu den Saturnalien verliefen, was diese ganzen Festivitäten als „Dies Natalis Solis Invicti“ bekannt werden liess –  das Fest der Rückkehr der unbesiegbaren Sonne. Von diesem Fest her rührt es, dass die Christen in Rom die Sonne und den Sohn Gottes als dasselbe ansahen, besonders natürlich, weil die unbesiegbare Sonne den Sieg des Lebens über den Tod versinnbildlichte. Das stammt aus der Beobachtung der Sonne, die zur Wintersonnwende geschwächt während der Calenden des Jänner immer stärker und heller wird.
Das ganze Fest der Dies Natalis Solis Invicti war ein wunderbarer Anlass um zu feiern, zu prassen, aus sich heraus zu gehen und wie viele „Yule“festestammt das Verkleiden während dieses Festes ebenfalls aus dem alten Rom.
„Mummers“ waren Gruppen von kostümierten Sängern und Tänzern, die von Haus zu Haus zogen und für Geld, das in Form von milden Gaben an die Armen verteilt wurde, ihre Nachbarn unterhielten. Nicht nur, dass die Mummers kostümiert waren, die Götter und Göttinnen des Pantheons darstellten, sie trugen auch Masken oder Bemalungen, die ihre Gesichter verbargen. Aus diesem Mumming im alten Rom entstanden zwei Weihnachtstraditionen – Mumming und Carolling (Singen)

Während dieser Zeit warne in Rom die Gerichte geschlossen und das römische Gesetz sagte, dass während dieser Festwoche niemand bestraft werden konnte, der entweder Eigentum beschädigte oder Leute verletzte. Das Fest begann damit, dass die römischen Autoritäten einen „Feind des römischen Volkes“ auswählten, der den „Herrn  des Tumult“ darstellen sollte. Jede römische Gesellschaft erwählte ein Opfer, das sie dazu zwangen innerhalb dieser Woche Speisen und anderen Genüssen zu frönen.

Heiden in Nordeuropa hatten viele Traditionen, die mit Yule in Verbindung gebracht werden und die wir heute noch haben. Viele davon wurden vom Christentum korrumpiert und zu ihren eigenen Traditionen gemacht obwohl die gebräuchlich waren, lang bevor die Teilnehmer etwas von Christus gehört hatten.
Wie heute auch noch, feierten die Heiden in ganz Nordeuropa die Wintersonnwende, bekannt als Yule. Oft waren diese Traditionen in der Naturmagie beheimatet und mit immergrünen Bäumen, Stechpalme und Mistel verbunden.
In den Hallen unserer alten heidnischen Ahnen wurden massive „Yule logs“ verbrannt um die Sonne zu ehren. Diese Scheite standen symbolisch für das Holz der Yggdrasil, dem Weltenbaum der nordischen Traditionen. Das Wort „Yule“ selber bedeutet „Rad“ und es ist genau diese Drehung des Rades, die die Wintersonnwende so wichtig macht. Eine von vier Markierungen durch Sonnwenden und Tag-und-Nachtgleichen, die für unsere Vorfahren so wichtig waren.

Das universelle Symbol des immergrünen Baumes ist das Hauptsymbol, das fast alle nordeuropäischen Wintersonnwenden miteinander verbindet.

Ein Symbol, dass das Leben auch in Härtezeiten des Eises und der Schnees im Winter weitergeht. Das Grün des lebenden Baumes trotz der Härte als Symbol dass das Leben weitergeht und deshalb wurden anfänglich immergrüne Zweige ins Haus und in die Hallen gebracht, um den Herd und die Feuerstellen zu schmücken. Die Hitze verstärkte aromatische Gerüche, die wieder das Gefühl verstärkten, dass das Leben trotz der Härte des Winters weitergehen würde.
Erst spätere Traditionen brachten dann ganze Bäume in die Häuser der Menschen. Oft wird von modernen Wissenschaftlern angenommen, dass der Christbaum als viktorianische Tradition, aus Deutschland stammt. Tatsächlich ist diese Tradition tausend Jahre älter, als sie die Menschen im viktorianischen Zeitalter bekannt gemacht haben.

Unsere Ahnen wählten Tannen und Fichten. Man denkt auch an die Eibe, die ebenfalls immergrün ist und oftmals in heiligen Hainen, die heute oft Plätze mit alten Kirchen darauf sind, wächst. Die Eibe ist ein machtvolles Symbol, das für die Verehrung der Ahnen Verwendung findet.
Bäume als heilig anzusehen und sich in Hainen zu den Jahreszeitenfesten zu treffen war für viele Heiden, das Druidentum eingeschlossen, heilig. Cäsar schrieb, dass die Druiden Haine mit heiligen Bäumen als Fokus für ihre Riten und Zeremonien verwendeten, besonders wenn das Augenmerk der Feier auf der Rückkehr der Sonne, in der Zeit nach der Sonnendwende, wenn die Sonne am tiefsten am Himmel stand und am schwächsten strahlte, lag.

Gemeinsam mit den Zweigen der heiligen Bäume wurden auch immergrüne Pflanzen wie Stechpalme und Mistel, als heilige Pflanzen, in die Häuser gebracht. Die Mistel wurde heilig, weil sie auf sehr offensichtliche Weise (für jeden, der schon einmal eine Mistelbeere zerquetscht hat) ein Symbol für Fruchtbarkeit ist. Die Samen, die in den Beeren enthalten sind ähneln sehr dem menschlichen Sperma, das am Höhepunkt der sexuellen Vereinigung verströmt wird (obwohl Sperma schwerer zu erkennen ist, wussten unsere heidnischen Vorfahren sehr wohl, dass der Samen nötig war um menschliches Leben zu schaffen und so wurde die Mistel ein Symbol der Fruchtbarkeit).
Die altnordische Mythologie erzählt, wie der Gott Balder von seinem Rivalen Hödur mittels eines Mistelzweigpfeils getötet wurde, während sie um Nanna stritten. Deshalb war die Mistel in allen heidnischen Kulturen Nordeuropas als mächtiges Symbol bekannt. Sogar der Brauch sich unter dem Mistelzweig zu küssen hat seinen Ursprung in der sexuellen Freizügigkeit der Saturnalien des römischen Reiches.

Ende Teil I

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen von Mc Claudia – Teil VIII

Samstag, 09. Juli 2011

Herkunft und Bedeutung der Festtagsnamen

Gleich vorweg: Die Schreibweise, vor allem der mittelalterlichen Namensbezeichnungen der Festtage der Iren, Waliser, Angelsachsen, Wikinger etc. kann variieren. Da es damals keine einheitliche Rechtschreibung gab und es auch einen Unterschied macht, ob man das Fest in einer älteren oder neueren Schreibweise buchstabiert, gibt es oft mehrere Versionen, einen Namen zu schreiben, z. B. Samain (Altirisch), Samhain (modernes Irisch). Das soll aber weiter nicht stören.

Die üblichen neuheidnischen Namen der acht Jahreskreisfeste haben ihre Wurzeln vor allem im Wicca, wobei sich die Wiccas wiederum an traditionellen irischen, angelsächsischen, nordischen und britischen Festnamen orientieren (und im deutschsprachigen Raum auch an entsprechenden hiesigen, traditionellen Bezeichnungen). Manchmal sind die Festnamen auch Neuerfindungen.

Ich beginne mit den einfachen Bezeichnungen der Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen: Wintersonnenwende (engl.: Winter Solstice), Frühlingstagundnachtgleiche/Frühlingsäquinoktium (engl.: Spring Equinox, Vernal Equinox), Sommersonnenwende (engl.: Summer Solstice) und Herbsttagundnachtgleiche/Herbstäquinoktium (engl.: Autumnal Equinox, Fall Equinox) sind einfach im Alltag übliche Bezeichnungen für die Tagundnachtgleichen und die Sonnenwenden.

Eindeutig christlicher Herkunft sind die Bezeichnungen: (Mariae) Lichtmess (engl.: Candlemas – „Kerzenmesse“), Brighid (Brighid bzw. Brigitte ist eine christliche Heilige), Lady Day – „Frauentag“ (Mariae Verkündigung), Walpurgisnacht (Walburga ist eine christliche Heilige), Lammas/Loaf Mass – „Brotlaibmesse“ und Halloween/Hallowmas – „(Abend vor) Allerheiligen“. (Näheres dazu im Kapitel über das Christentum.)

Die Bezeichnungen „Maifeiertag/May Day/Hohe Maien“ sowie „Herbstfest/Erntedankfest/ Harvest Home“ sind deutsche und englische Bezeichnungen, die für die ausgelassenen Frühlingsfeierlichkeiten am 1. Mai und für die diversen Erntedankfeste im September/Oktober im englischsprachigen und deutschsprachigen Raum üblich sind. Auch sie sind – auch wenn das Brauchtum teilweise recht heidnisch anmutet – eingebettet im christlichen Festkalender.

Der Begriff „Schnitterfest“ für Lugnasad dürfte eine neuheidnische Bezeichnung sein, die sich auf die Ernte, also das Schneiden des Getreides bezieht.

Die Festtagsnamen Mittwinter (engl.: Midwinter), Summerfinding – „Sommer-Findung“, Mittsommer (engl.: Midsummer) und Winter Finding – „Winter-Findung“ sind deutsche bzw. englische Bezeichnungen, die sich auf den germanischen Raum Skandinaviens und Islands (= nordischer Sprachraum) beziehen. Ebenfalls aus dem germanischen Raum kommen die Begriffe Jul (engl.: Yule) – Nordisch für „Zauber, Beschwörung“, Eostre (Altenglisch) und Ostara (rekonstruiertes Althochdeutsch) für „östlich, Osten“ und Litha – Altenglisch für „durchlaufen, gehen, vergehen“. (Näheres im Kapitel über die Germanen.)

Imbolc – „umfassende Reinigung, im Bauch“, Beltaine – „Bel‘s-Feuer“, Lug(h)nasad „Lug‘s-Versammlung“ und Sam(h)ain – „Sommerende“ sind altirische (und damit keltische) Bezeichnungen für die vier Hochfeste im alten Irland. (Siehe das Kapitel über die Kelten.)

February Eve, May Eve, August Eve und November Eve (also Februar-, Mai-, August- und November-Abend) sind die Namen der Feuerfeste, wie sie in Gardners Book of Shadows (siehe Quellenverzeichnis) zu finden sind. Da diese Festbezeichnungen für die jeweils an diesen Daten stattfindenden christlichen Feste eher unüblich sind (ich konnte nichts Diesbezügliches finden), dürfte es sich um Gardners Idee handeln, die Sabbate einfach nach ihrem jeweiligen Datum zu benennen.

Fast alle Festnamen haben also einen heidnisch oder christlich tradierten Ursprung oder sind logische Bezeichnungen (wie „Schnitterfest“ oder „May Eve“).

Bleibt der mysteriöseste Festtagsnamen, der nirgends hineinpasst, nämlich Mabon. Mabon vab Modron (übersetzt: „Mabon, Sohn der Modron“) ist ein Held im mittelalterlichen walisischen (und damit keltischen) Mythos Culhwch ac Olwen, wo er eine Nebenrolle spielt. Und zwar war er in einem Kerker eingesperrt (er war als Kleinkind von drei Jahren seiner Mutter geraubt worden), bis er von Kaiser Arthur (dem meistverfilmten König aller Zeiten) und seinen Mannen befreit wurde, um mit ihnen danach gemeinsam auf die Jagd nach dem gefährlichen Keiler Twrch Trwyth zu gehen. Mabon und Modron haben sogar Entsprechungen in der antiken festlandkeltischen Götterwelt: Der walisische Mabon leitet sich etymologisch vom gallischen Maponos ab, was „Sohn, Kind“ bedeutet. Von den Römern wurde er mit Apollon, dem Gott der Dichtkunst, der Orakel und der Sonne verglichen. Walisisch „Modron“ wiederum kommt vom gallischen Matrona – „große Mutter“. Diese Göttin ist als Singular ein Fluss (nämlich die Marne) und als Dreiergruppe von Göttinnen (Matronen) war sie im römischen Gallien (vor allem im Rheinland) äußerst populär.

Seitdem ich den Mythos kenne, frage ich mich, was genau jemanden veranlasst, ein Erntedankfest nach diesem Helden zu benennen. Man könnte spekulieren, dass das Eingesperrtsein vielleicht einen Initiationsritus oder den Abstieg in die Unterwelt symbolisiert – analog zur Sonne, die im Herbst in die Unterwelt wandert oder auch analog zu den Eleusinischen Mysterien. Vielleicht ist es auch die Eberjagd, weil im Herbst die Jagdsaison beginnt. Und dann gab es im alten Griechenland um diese Zeit noch das Fest Pyanopsia, das Apollon geweiht war.

Wie auch immer, Mabon als Name für ein walisisches (oder anderes keltisches) Fest ist nach meiner gründlichen Recherche historisch nicht erwiesen (weder im Herbst noch sonstwann, weder christlich noch heidnisch). Aber Modron sei Dank gibt es ja das englische Wikipedia. Im Eintrag „Wheel of the Year“ ist zu lesen, dass Aidan Kelly, ein neuheidnischer Autor, in den 1970er Jahren diesen Namen für das Herbstfest geprägt hätte. Warum er das gemacht hat, weiß ich aber nicht.

Auch wenn sich „Mabon“ längst als Festtagsname eingebürgert hat, möchte ich doch darauf hinweisen, dass er damit eine gewisse Asymmetrie bei der Namenswahl der acht Jahreskreisfeste verursacht. Denn die vier Feuerfeste haben keltische Bezeichnungen (Imbolc, Beltaine, Lugnasad und Samain), und drei der vier Sonnenfeste tragen germanische Namen (Jul, Ostara, Litha). Wäre es da nicht konsequent, auch dem Herbstäquinoktium einen schönen germanischen Namen zu geben? Ich finde z. B. „Tamfana“ sehr passend. Das ist eine südgermanische Göttin, die laut Tacitus Ende September vom Stamm der Marser mit einem Fest geehrt wurde. Damit hätten wir sogar einen historischen Namen!

Wie auch immer. Die kreative Namensgestaltung der acht Feste dürfte erst nach der Expansion der Wicca-Idee in verschiedenen Wicca-, Wicca-ähnlichen und anderen Traditionen stattgefunden haben. Schaut man sich nämlich die Namen der acht Sabbate in Gardners Book of Shadows an, muten diese sehr nüchtern an. Sie heißen einfach „…-Equinox“, „….-Solstice“ oder „…-Eve“, also eigentlich nur Datumsbeschreibungen. Warum er keine passenden keltischen oder germanischen Namen benutzte, die er sicherlich kannte, ist fraglich. Vielleicht wollte er keine kulturspezifischen Festtagsnamen einführen, um den Sabbaten einen universellen Charakter zu verleihen?

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste im Spiegel der Kulturen von Mc Claudia – Teil VI

Samstag, 23. April 2011

Wenn Jahreskreisfeste um die Welt reisen

Kommen wir nun zu einer interessanten Problematik. Wir haben gesehen, dass die klimatischen Bedingungen und der Sonnenlauf meistens einen Haupteinfluss auf den Sinn der Jahreskreisfeste haben. In den traditionellen Religionen, die meist auf die jeweiligen Völker beschränkt geblieben sind, ist das weiter kein Problem. In dem Moment, wo aber Religionen oder Kulturen expandieren, missionieren oder sich anderweitig ausbreiten (z. B. durch Migration) werden natürlich auch Festtage und Mythen exportiert. Wenn es sich um Mythen oder Feiertage handelt, die keinen Bezug zu Natur und Klima des Heimatlandes haben, ist das nicht so schlimm. Wenn es aber Feste oder Bräuche sind, die mit der Vegetation oder dem Sonnenstand zu tun haben, wird es manchmal sehr grotesk.

Weihnachten, das ja absichtlich zur Wintersonnenwende installiert wurde, fällt auf der Südhalbkugel auf den Sommerbeginn. (Zum Weihnachtsdatum siehe das Kapitel über das Christentum.) Dessen ungeachtet wird auch auf der Südhalbkugel am 25. Dezember Weihnachten gefeiert, was irgendwie recht komisch anmutet. Noch krasser wird es, wenn Menschen außerhalb der entsprechenden kulturellen Heimat traditionelle oder neuheidnische Religionen praktizieren wollen, da diese oft unmittelbar mit dem Heimatland zu tun haben. Wie also z. B. brasilianische Keltenfans mit dem altirischen Kalender umgehen, wann Ásatruar in Australien nun Jul feiern, oder ob es viel Sinn hat, an der schönen blauen Donau den Beginn der Nilüberschwemmung zu feiern, bleibt fraglich.

Es gibt dafür grundsätzlich zwei Lösungsansätze: Der eine ist, dass man den Mythos von der irdischen Begebenheit abhebt und 1:1 einfach auf die andere Klimazone überträgt. Das heißt, Jul ist immer Jul, auch wenn grad auf der Südhalbkugel der längste Tag des Jahres stattfindet. Da alle Germanenfreaks auf der Nordhalbkugel auch am 21. Dezember Jul feiern, so die Idee, wirkt das Datum automatisch und ist daher auch richtig für die Südhalbkugel. Je mehr Menschen also zu einem bestimmten Datum das Fest feiern, desto mächtiger wird das Fest an sich – unabhängig von der tatsächlichen Jahreszeit und Vegetation. Auf diese Weise funktionieren dann auch die vier altirischen Feste im brasilianischen Regenwald, und die Donau muss eben kurz mal so tun, als wäre sie der Nil. Die zweite Möglichkeit ist, dass man die Kalender und Feste der jeweiligen klimatischen Realität anpasst. Das würde bedeuten, dass man auf der Südhalbkugel die Feste gegengleich feiert, also Jul am 21. Juni, weil das dort der kürzeste Tag ist. Das würde bedeuten, dass unser Keltenfan in Brasilien die dortigen Klimabedingungen als Kalendergrundlage für die keltischen Feste verwendet oder sogar, dass einheimische brasilianische Feste einen Synkretismus mit dem irischen Festkreis eingehen und dass die Donau vielleicht einfach so in einem angepassten ägyptischen Ritus gefeiert wird, ohne jetzt den Nil samt Überschwemmung bemühen zu müssen. Beide Lösungen haben gute Gründe und ihre Nachteile.

Das achtspeichige Jahresrad

Beschreibung

Die acht neuheidnischen Jahreskreisfeste (auch „achtspeichiges Jahresrad“ oder „achtfaches Jahr“ genannt) setzen sich im Prinzip aus zwei Festkreisen zusammen: die vier vom Sonnenstand beeinflussten Feste, nämlich Wintersonnenwende (21./22. Dezember), Frühlingsäquinoktium (20./21. März), Sommersonnenwende (21. Juni) und Herbstäquinoktium (22./23. September) einerseits, (die ich im Folgenden immer „Sonnenfeste“ nenne) und die Feste am 1. Februar, 1. Mai, 1. August und 1. November andererseits, (die ich im Folgenden immer „Feuerfeste“ nenne). Diese beiden Festkreise zusammengelegt ergeben das achtspeichige Jahresrad, hier vorgestellt mit den im Wicca (und verwandten neuheidnischen Traditionen) üblichen Namen, wobei ich mit der Wintersonnenwende beginne, weil ich das am passendsten finde:

21./22. Dezember:

Jul, Yule, Mittwinter, Midwinter, Wintersonnenwende, Winter Solstice

(Winterbeginn, Tod und Wiedergeburt der Sonne)

1. Februar:

Imbolc, Brighid, February Eve, Lichtmess, Candlemas

(Wintermitte, erstes Sonnenlicht)

20./21. März:

Ostara, Eostre, Summerfinding, Frühlingsäquinoktium, Spring Equinox,

Vernal Equinox, Lady Day

(Frühlingsbeginn, Vegetation ersteht neu)

1. Mai:

Beltaine, Walpurgisnacht, Maifeiertag, May Day, Hohe Maien, May Eve

(Frühlingsmitte, Natur erblüht und erstarkt)

21. Juni:

Litha, Mittsommernacht, Midsummer, Sommersonnenwende, Summer Solstice

(Sommerbeginn, Sonnenfest)

1. August:

Lughnasad, Schnitterfest, August Eve, Lammas, Loaf Mass

(Sommermitte, Erntefest)

22./23. September:

Mabon, Herbstfest, Erntedankfest, Harvest Home, Winter Finding,

Herbstäquinoktium, Autumnal Equinox, Fall Equinox

(Herbstbeginn, Erntedank, Vegetation verwelkt)

1. November:

Samhain, Halloween, Hallowmas, November Eve

(Herbstmitte, Nebel, Vegetation ist gestorben)

Wenn man ein Jahr wie ein Ziffernblatt darstellt und die acht Jahreskreisfeste darin markiert, ergibt sich ein fast symmetrisches Bild eines achtspeichigen Rades. Aber nur fast. Die zwei Einzeljahreskreise für sich genommen sind symmetrisch. Zusammengelegt schaut es ein bisschen schief aus, denn die Anzahl der Tage zwischen den einzelnen Festen variiert etwas:

21. Dez. – 1. Feb:       41 Tage

1. Feb. – 20. März:     46 Tage

20. März – 1. Mai:      41 Tage

1. Mai – 21. Juni:        50 Tage

21. Juni – 1. Aug.:      40 Tage

1. Aug. – 22. Sep.:     51 Tage

22. Sep. – 1. Nov.:     39 Tage

1. Nov. – 21. Dez:      49 Tage

Die Zwischenräume von einem Sonnenfest bis zum nächsten Feuerfest dauern durchschnittlich 40 Tage (ca. 10 Tage bis Monatsende plus ein ganzer Monat). Die Zwischenräume von einem Feuerfest bis zu einem Sonnenfest dauern durchschnittlich 49 Tage (ein Monat plus ca. 20 Tage), sind also neun Tage länger. Trotzdem kann man durchaus behaupten, dass die Feuerfeste etwa in der Mitte zwischen zwei Sonnenfesten liegen und umgekehrt. Das achtspeichige Jahresrad zeichnet sich also durch eine annähernde Symmetrie aus und auch durch sehr einfach einzuprägende Daten. (Ein Feuerfest fällt immer auf den Monatsersten des übernächsten Monats nach einem Sonnenfest).