Mit ‘Zwiebel’ getaggte Artikel

Meine blutroten Lieblingsknollen – Ronen

Samstag, 17. Oktober 2015

Der Herbst ist für die meisten Menschen die typische Kürbiszeit. So habe ich das auch immer gehalten, bis mich und den Kürbis ein paar Schwangerschaftsgelüste mit eher ungünstigem Ausgang, für immer entzweit haben. Also musste ein neues Herbst- und Wintergemüse her und so habe ich die Ronen für mich entdeckt. Ja, jetzt geht’s rund in den Köpfen unserer deutschen Leser – was bitte sollen Ronen sein? Nichts anderes als Rote Rüben bzw. Rote Beete. Ronen sind ein Knollengemüse und gehören zur Familie der Gänsefußgewächse. Sie sind mit Mangold, sowie den Zucker- und Futterrüben verwandt. Ronen sind gerade in der kalten Jahreszeit zu empfehlen, da sie Mineralstoffe wie Kalzium, Phosphor, Kalium, Magnesium, Eisen sowie Vitamin B und C, ebenso wie Folsäure, enthalten. Sie können je nach Zeit der Aussaat von Juli bis Oktober geerntet werden. Da sie bei einer Lagerung in dunklen, kühlen Räumen problemlos haltbar sind, sind sie auch in roher Form oft das ganze Jahr über erhältlich.

Schnell, einfach, aber eine ziemliche Küchensauerei: Der Ronensalat

Da es ja nicht schaden kann, zwischendurch auch mal etwas Gesundes zu essen, gibt es hier für euch ein Ronensalat-Rezept.

Wir brauchen dazu:
– 1 Kilo Ronen
– 1-2 Knoblauchzehen
– Salz, Pfeffer
– Essig, Öl (Welches Öl ihr verwendet, ist Geschmackssache. Ich finde zum Beispiel, dass Olivenöl überhaupt nicht zu Ronen passt, meine Mutter sieht das völlig anders. Ich verwende immer einfaches Maiskeimöl.)
– 1 Schuss Wasser

Ronensalat

Kauft entweder rohe oder bereits vorgekochte (aber nicht marinierte) Ronen. Die Vorgekochten Ronen haben den Vorteil, dass ihr euch in etwa 1 – 1 1/2 Stunden Zeit erspart. Habt ihr euch für die nicht vorgekochten Ronen entschieden, müsst ihr die nun ca. 1-1,5 Stunden lang kochen. Die tatsächliche Garzeit hängt natürlich von der Größe ab. Stecht einfach mit einer Gabel in die Ronen, bleibt die Gabel darin stecken wie in Zement, dann brauchen sie wohl noch etwas. Sind sie dann aber endlich weich gekocht, könnt ihr die Ronen kurz abschrecken (das heißt kurz mit kaltem Wasser abspülen) und schälen. Dann die Ronen je nach Größe entweder zuerst halbieren und in dünne Scheiben schneiden, oder – falls sie ohnehin nicht allzu groß sind – gleich in Scheiben schneiden. Auch in kleine Stiftchen reiben ist eine Möglichkeit. Ronen zu verarbeiten, ist meistens eine ziemliche Sauerei, weil diese Dinger einfach alles rot einfärben. Sie färben nicht so schlimm ab wie Kurkuma, aber sie färben ab. Die geschnittenen Ronen etwas abkühlen lassen. Jetzt den Knoblauch fein hacken bzw. auspressen und über den Salat geben. Mit Salz, etwas Pfeffer, Öl, Essig und einem Schuss Wasser würzen. Viele rühren die Marinade in einem separaten Gefäß an und gießen sie dann erst über den Salat. Das ist vor allem dann zu empfehlen, wenn ihr noch nicht viel Übung im Marinade Mischen habt. Es kann nämlich dann leicht passieren, dass ihr es mit der einen oder anderen Zutat übertreibt (meistens mit dem Essig). Mischt ihr alles vorher schon zusammen, könnt ihr so lange experimentieren, bis die Mischung perfekt passt. Die Marinade dann über den Salat gießen und alles gut durchmischen. Den Salat für ein paar Stunden in den Kühlschrank stellen, er muss nämlich erstmal schön durchziehen, damit das Knoblaucharoma auch richtig rauskommt.

Variationen:
Ihr könnt auch etwas fein gehackten Ingwer oder einen Schuss Honig zur Marinade geben. Mit dem Honig würde ich aber sparsam umgehen, da die Ronen selbst schon sehr süß sind.

Hitzebooster für kalte Tage: Ronensuppe

Ich verspreche euch, dass diese Suppe in etwa den gleichen Effekt hat, wie einen kleinen Ofen in sich anzuzünden. Sie ist also bestens geeignet für alle, die des Öfteren wie kleine Frostbeulchen herumlaufen.

Zutaten:
– ca. 1 kg Ronen
– 4-5 Erdäpfel
– 2 Zwiebeln
– 2 EL Öl zum Zwiebel anbraten
– 3-4 Karotten
– 1 grüner Paprika
– 2 Gemüsesuppenwürfel (gibt es auch in Bioform)
– 2-3 Tomaten (frisch)
– 1 TL Tomatenmark
– Salz, Pfeffer
– 1 TL Majoran
– 1,5 – 2 Liter heißes Wasser
– 1 EL Sauerrahm pro Teller Suppe

Ronensuppe im Topf

Zubereitung: Zuerst müsst ihr mal die Ronen 1- 1,5 Stunden kochen. Der Einfachheit halber könnt ihr aber auch bereits vorgekochte Ronen verwenden. Hier ist nur darauf zu achten, dass sie nicht bereits im Glas mariniert wurden. Sobald die Ronen weich gekocht sind, werden sie geschält, halbiert (bei sehr großen Ronen empfehle ich sie zu vierteln) und in Scheiben (ca. 0,5 cm dick) geschnitten. Die Zwiebeln schälen und in Ringe schneiden. Jetzt könnt ihr auch schon die noch rohen Erdäpfel schälen und würfeln. Etwas Öl in einem großen Topf erhitzen und die Zwiebelringe darin anbraten. Währenddessen die Karotten und den Paprika in ca. 0,5 cm dicke Scheiben schneiden. Wenn die Zwiebeln schon etwas bräunlich sind, werden die Karotten sowie der Paprika hinzugefügt und alles noch ein paar Minuten weiter angebraten. Mit heißem Wasser aufgießen (ich empfehle ca. 1,5 Liter Flüssigkeit) und alles zum Kochen bringen. Sobald die Suppe kocht, könnt ihr die geschnittenen Erdäpfel und Ronen hinzufügen. Die Tomaten vierteln und ebenfalls der Suppe hinzufügen. Jetzt noch mit den Gemüsesuppenwürfeln, einer Prise Salz, etwas Pfeffer und ca. 1 TL Majoran würzen. 1 TL Tomatenmark beimengen, alles gut umrühren und in etwa 45 Minuten kochen lassen. Vor dem Servieren die Suppe noch mit einem EL Sauerrahm garnieren.

Ronensuppe

Kraftsuppen – oder wie ich meiner Grippe den Laufpass gebe

Samstag, 21. März 2015

Der Frühling steht vor der Türe und da lag es nahe, mal über ein paar wunderbare Frühlingsgefühle, äh ich meine natürlich Frühlingsgerichte zu schreiben. Leider wurde dieser Plan – betreffend sowohl die Frühlingsgefühle als auch die Frühlingsgerichte – gerade von der überall anhaltenden Grippewelle jäh durchkreuzt. Also habe ich in Omas Rezepten gestöbert und für uns alle, die wir noch darniederliegen die altbewährten „wenn du krank bist hilft nur eins“-Suppen heraus gekramt. Jeder hat ja da wohl so seine eigene „Aufbausuppe“ auf die er/sie Stein und Bein schwört. Für alle die noch auf der Suche sind, hier also drei Suppen zur Auswahl.

Worauf mein Mann schwört – Die Rindssuppe oder „Der Wiener Suppentopf“

Zutaten:

– Ca. 1 Kilo Rindfleisch inkl. Knochen (z.B. Beinfleisch)
– 1 Bund Suppengrün
– 1 Zwiebel (nicht geschält, aber halbiert)
– Salz, Pfeffer
– Nach Bedarf Rindssuppenwürfel (gibt’s auch in der Bio-Variante)
– Schnittlauch (in kleine Röllchen geschnitten)

Eine Rindssuppe ist in der Tat eine Kraftbrühe und an sich nicht schwer zuzubereiten, aber es erfordert etwas Geduld, da die Suppe am besten schmeckt, wenn man sie lange kochen lässt. Ihr könnt euch auch jetzt schon entscheiden, ob ihr die Suppe eher klar oder etwas uriger trüb mögt. Die Zutaten sind immer die gleichen, aber wer eine klare Suppe möchte, muss sie vor dem Essen abseihen, damit sich eventuelle Würz- oder Suppengrün-Reste im Sieb fangen und nicht mehr in der Suppe schwimmen. Es empfiehlt sich hier ebenfalls, das Suppengemüse nicht klein zu schneiden, so gehen auch weniger Stückchen ab. Ich habe es immer gerne urig, also macht es mir auch nichts aus, wenn die Suppe trüb ist.

Rindssuppe

Hier nun also die Zubereitung: Zuerst müsst ihr das Suppengemüse waschen und in Scheiben schneiden. Diese können ca. einen halben cm dick sein. Karotten oder Rüben mit einem besonders starken Durchmesser, könnt ihr auch einfach nochmal halbieren. Die Zwiebel mit der Schale halbieren. Jetzt nehmt ihr einen großen Topf und röstet darin das klein geschnittene Gemüse ohne Öl (!) bei mittlerer Hitze an. Die beiden Zwiebelhälften legt ihr mit der Schnittfläche nach unten in den Topf. Ihr solltet immer mal wieder umrühren. Nach 3-5 Minuten hat sich am Topf-Boden höchstwahrscheinlich schon ein brauner Belag angelegt, dieser sorgt später unter anderem für ein kräftiges Aroma. Nun wird alles mit Wasser (heiß oder kalt) aufgegossen, der Belag löst sich so vom Topfboden. Gebt ca. 2 Liter Wasser dazu. Deckel drauf und aufkochen lassen. Sobald das Wasser mit dem Gemüse darin kocht, kommt das Fleisch dazu. Nun gibt es mehrere Möglichkeiten: Ihr könnt entweder gleich würzen (je nach Geschmack Salz, Pfeffer oder auch 1-2 Suppenwürfel – diese gibt es auch in Bio-Varianten in Reformhäusern) oder ihr mögt es lieber, wenn der Eigengeschmack des Fleisches zuerst mal in die Suppe übergeht und würzt erst kurz vor dem Essen. Wer es nicht gerne stark gesalzen mag, kann auch auf das Würzen mit Salz und Pfeffer verzichten. Fleisch und Gemüse geben ohnehin sehr viel Aroma ab. Mir reicht das ehrlich gesagt nicht, daher würze ich sobald das Wasser, in das ich gerade das Fleisch gegeben habe, wieder kocht. Jetzt könnt ihr euch entspannt zurücklehnen und die Suppe erst mal kochen lassen. Für eine richtige Kraftbrühe empfehle ich 1,5 – 2 Stunden Kochzeit. Achtet darauf, dass die Suppe nicht zu stark kocht. Ich brauche dazu nicht mal eine Suppeneinlage, da ohnehin schon Gemüse und Fleisch in der Suppe ist. Vor dem Servieren noch mit Schnittlauchröllchen bestreuen.

Worauf Oma, Opa, Mutter & Vater schwören – Die Hühnersuppe

Da ich als Kind bei jeder erdenklichen Krankheit immer gleich eine Hühnersuppe bekommen habe, ist sie natürlich auch meine erste Wahl an Grippetagen. Die Hühnersuppe ist im Grunde genauso zuzubereiten wie die Rindssuppe, ihr nehmt aber natürlich Hühnerfleisch statt Rindfleisch und Hühnersuppenwürfel statt Rindssuppenwürfel. Ich würde eine Kombination aus etwas fettigeren Stücken, wie zum Beispiel „Hendlhaxen“ (für alle deutschen Leser: Hühnerkeulen) und dem Brustfleisch nehmen. Wenn ihr nur die Brust verwendet, dann schmeckt die Suppe etwas langweilig finde ich. Den Zwiebel lasse ich bei der Hühnersuppe immer weg, aber auch das ist aber natürlich Geschmackssache. Ihr kocht also alles so wie oben angegeben. Wenn die Suppe fertig ist, könnte ihr sie mit einer Ei-Zitronensauce verfeinern. Diese Sauce nennt sich „Avgolemono“ und verleiht der Suppe eine sehr erfrischende Note. Ihr braucht dazu:

– 2 Eier
– 1 – 2 Tassen  klare Suppe
– 1 Zitrone (für alle die es besonders sauer wollen empfehle ich 1,5 – 2 Zitronen)

Hühnersuppe

Die Suppe vom Herd nehmen, damit sie ein bisschen auskühlen kann. Jetzt müsst ihr das Eiklar vom Eigelb trennen und in einen größeren Suppenteller geben. Hebt das Eigelb bitte auch auf, das werdet ihr später noch brauchen. Jetzt wird das Eiklar geschlagen, bis es leicht schaumig ist, es muss nicht völlig steif sein. Die Zitrone auspressen und den Zitronensaft zum Eiklar schütten, noch ein wenig weiterschlagen. Nun Löffelweise klare Suppe hinzufügen und immer gleich einrühren. Das macht ihr, damit sich das die Sauce langsam erwärmt. Würdet ihr das Eiklar gleich zur heißen Suppe schütten, würde es natürlich sofort fest werden und das wollen wir auf jeden Fall vermeiden. Wenn der Teller halbvoll und alles schon ein bisschen warm, aber noch nicht heiß ist, könnt ihr das Eigelb vorsichtig einrühren. Gebt nun weiter löffelweise die Suppe dazu, bis der Teller schön voll und alles schön erwärmt ist. Nun alles in euren großen Suppentopf gießen und abschmecken. Bei Bedarf noch Zitronensaft hinzufügen.

Worauf meine vegetarische Freundin schwört – Die Apfel Karotten Suppe mit Curry & Ingwer

Zutaten:

– 1/2 Kilo Karotten
– ca. 6 Äpfel
– Suppengewürz für Gemüsesuppen (gibt es auch in Bioform)
– 1/2 – 1 TL Curry
– 1 TL frischer geriebener Ingwer
– Petersilie zum Drüberstreuen

Apfel Karotten Suppe

Zuerst die Äpfel schälen, entkernen und in kleine Stücke schneiden. Die Karotten in Scheiben schneiden und gemeinsam mit den Apfelstücken in einem Topf ohne Öl anrösten. Nach ca. 5 Minuten mit Wasser aufgießen. Alles zum Kochen bringen. Mit dem Suppengewürz und der Hälfte des Currys sowie dem Ingwer würzen. Die Suppe ca. 30 Minuten kochen lassen. Dann pürieren und mit dem restlichen Curry abschmecken. Wem es schmeckt, der/die kann vor dem Servieren noch fein gehackte Petersilie drüberstreuen.

Zutaten:

– Ca. 1 Kilo Rindfleisch inkl. Knochen (z.B. Beinfleisch)
– 1 Bund Suppengrün
– 1 Zwiebel (nicht geschält, aber halbiert)
– Salz, Pfeffer
– Nach Bedarf Suppenwürfel (gibt’s auch in der Bio-Variante)
– Schnittlauch (in kleine Röllchen geschnitten)

Donau, Traisen und die Au

Samstag, 24. März 2012

Heute möchte ich Euch im Kräuterkistl eine neue Serie vorstellen. Und zwar werde ich Euch jetzt und in den nächsten Artikeln in eine meiner Lieblingslandschaften ganz in meiner Nähe entführen – die Donau- und Traisenauen. Einerseits empfinde ich sie als einen sehr schönen und erholsamen Lebens-, Rückzugs- und Erholungsraum und andererseits bieten sie einen abwechslungsreichen „wilden“ Kräutergarten in meiner unmittelbaren Nähe.

Hart oder weich – das ist hier die Frage

Die Au wird grundsätzlich in zwei Typen unterschieden – die weiche und die harte Au. Der Unterschied ergibt sich aus den bestimmenden Holzarten, also weiche oder harte Hölzer, die auf Grund der unterschiedlichen Überschwemmungslage übers Jahr hinaus dort am besten gedeihen können.

Lebensraum Au

Copyright www.donauauen.at

So sind in der weichen Au hauptsächlich Weiden, Pappeln und Erlen heimisch die mit einer mehrmaligen Überschwemmung im Jahr gut zu recht kommen können. In der harten Au finden sich überwiegend Stieleichen, Esche, verschiedene Ulmenarten (Feldulme und Flatterulme), die Winterlinde und in geringerer Vorkommensdichte der Holzapfel und die Holzbirne. Diese kommen gut mit den schweren, nährstoffreichen Bodenverhältnissen zu Recht. Die harte Au wird nur ein- bis zweimal im Jahr, mehrere Tage mit 0,5 bis 3 Meter überschwemmt und bietet somit einen idealen Standort für Bäume die sowohl mit wechselfeuchten als auch mit trockenen Bodenverhältnissen gut klarkommen.

Der Bau des Kraftwerkes Altenwörth an der Donau in den 1970er Jahren hatte zur Folge, dass diese aufgestaut wurde und viel Augebiet in unserer Gegend verloren ging. Vereinzelt findet man noch Altarme der Donau, die aber zunehmend durch die Ablagerung von Feinsedimenten gefährdet sind. Ebenfalls durch den Kraftwerksbau wurde das Mündungsgebiet der Traisen rund 7 Kilometer Richtung Osten (hinter das Kraftwerk, damit dieses nicht durch Schotter- und Schlammablagerungen bei den Turbinen beeinträchtigt wird) verlegt. Mit viel Geld von Seiten der EU und dem Bund wird jetzt bei der Traisen ein Renaturierungsprojekt gestartet um den künstlich begradigten Fluss wieder in einen mäandernden umzuwandeln (http://www.life-traisen.at/).

Traisen-Renaturierung

Copyright www.verbund.com

Durch dieses Projekt soll wieder eine Verbindung der verschiedenen Augewässer (Altarme der Donau und vereinzelte Brunnadern[1]) mit der Taisen hergestellt werden und damit ein vielfältiger Lebensraum für die einzelnen Fauna- und Floraarten hergestellt werden. Vor allem die Hartholzau, die zu den am stärksten gefährdeten Biotopen Mitteleuropas zählt, profitiert durch diese Wiederanbindung an den Fluss und die damit einhergehenden periodisch wiederkehrenden Hochwässer.

Alle Macht dem Frühjahr

Ich möchte hier nun auf die verschiedenen Pflanzen der harten Au eingehen. Neben den schon erwähnten Holzarten gibt es auch eine vielfältige Krautschicht, die sehr reich an Frühlingsblühern – den sogenannten Geophyten[2] – ist. Kennzeichnend für die harte Au sind das Weiße und das Gelbe Buschwindröschen, das Scharbockskraut und der Gelbstern. Diese Arten nutzen die Zeit vor der Laubentfaltung der Baumschicht und wickeln ihr ganzes Jahresprogramm im Frühjahr ab. Den Großteil des restlichen Jahres überdauern sie im Boden.

Donau Altarm

Copyright Rothani

Zu den Frühjahrsblühern die sich ebenfalls in der Au breit machen zählen das Schneeglöckchen, der Bärlauch und das Maiglöckchen. Und weil wir gerade die richtige Jahreszeit haben und nicht oft genug auf die Gefahren hingewiesen werden kann, hier noch mal anschaulich und hoffentlich einprägsam die Unterschiede zwischen Bärlauch – der sehr lecker schmeckt, und Maiglöckchen – das meistens nur einmal verzehrt wird.

Tot oder lebendig – das ist hier die Frage

Ich habe mir angewöhnt Bärlauch und Maiglöckchen vor allem an den Blättern zu unterscheiden. Die Blätter des Bärlauchs haben einen eindeutig zu identifizierenden Stiel und die Blätter des Maiglöckchens entspringen direkt an der Wurzel, sie werden von einer Blattscheide immer paarweise zusammengehalten! Das auffälligste Unterscheidungsmerkmal ist zwar der Geruch, aber nach einer Stunde Bärlauchernte riechen die Hände schon so nach Knoblauch, dass man beim besten Willen ein gerade gepflücktes Maiglöckchenblatt nicht mehr am Geruch identifizieren kann. Hier aber noch mal die Unterschiede im Überblick.

Bärlauch
die ausgewachsenen Blätter sind deutlich in einen Blattstiel verschmählert; die Blätter sind grasgrün und papierartig dünn; er wächst auf frischen, nährstoffreichen Standorten und kommt meist in Massen vor; weißt einen starken Knoblauchgeruch auf

Maiglöckchen
hat zwei bis drei Laubblätter die direkt dem Rhizom (Wurzel) entspringen; die Blätter sind blaugrün und ledrig derb; Blätter meist einzeln oder zu wenigen zusammenstehend; wächst auf trocken-warmen Standorten; es kommt meist in kleinen Truppen, aber nicht flächendeckend vor; ist geruchsarm

Donauau im Frühling

Copyright Rothani

Darm und Demut

Generell ist der Bärlauch in ganz Europa und Nordasien verbreitet und bevorzugt seinen Standort auf tiefgründigen, lehmigen, feuchten und nährstoffreichen Böden in Au und Laubwäldern. Durch die in der Wurzel gespeicherte Energie kann der Bärlauch das zeitlich begrenzte Lichtangebot am Boden der Wälder optimal ausnutzen. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni und wenn sich das Blätterdach des Laubwaldes allmählich schließt verschwindet er für den Rest des Jahres wieder in den Boden.

Die Knospen des Bärlauch lassen sich als Kapernersatz sehr gut einlegen und die Blätter werden vor der Blüte meist für Aufstriche und zur Zubereitung von Pesto gesammelt. Die Zwiebel kann auch im Sommer beziehungsweise im Herbst gesammelt werden. Sie enthält wie die Blätter und die Knospen viel Vitamin C und ätherische Öle. Werden die Bestandteile des Bärlauchs roh gegessen oder gekocht dann haben sie eine antiseptische Wirkung und normalisieren die Darmflora. Zusätzlich hilft sie gegen Arterienverkalkung und bei erhöhtem Blutdruck. Eine zerquetschte Bärlauchzwiebel in Milch eingelegt und schluckweise getrunken ist als Wurmmittel sehr wirksam.

Traisenau im Frühling

Copyright Rothani

Das Maiglöcken ist ebenfalls in ganz Europa und im gemäßigten Asien beheimatet. Es bevorzugt trockene, halbschattige Standorte und ist in Österreich geschützt. Die Glykoside des Maiglöckchens, die sie gleichzeitig zur Heil- und zur Giftpflanze machen, wirken ähnlich wie die Digitalisglykoside des Roten Fingerhutes und wurden beziehungsweise werden in der Medizin eingesetzt. Der Überlieferung nach wird das Maiglöckchen der nordischen Göttin Ostara zugeordnet. Andere Legenden berichten davon, dass das Maiglöckchen dort entstanden ist, wo Maria am Grab Jesu ihre Tränen vergoss. In der christlichen Ikonografie zählt es neben der Lilie, der Rose und anderen Pflanzen zu den Marienblumen. Durch seine kleinen weißen, nickenden Blüten war es ein Symbol für die keusche Liebe, die Demut und die Bescheidenheit von Maria und wurde dementsprechend oft auf Gemälden meist unauffällig und klein am unteren Bildrand dargestellt.

Auch wenn mein Auparadies in nächster Zeit durch die umwälzenden Eingriffe zu leiden haben wird freue ich mich trotzdem schon auf das Endergebnis eines alten, neu zu entdeckenden Lebensraum. Die Zeit dazwischen werde ich für viele Artikel über die verschiedenen Kräuter der Auwälder wie Aronstab, Diptam, Gundelrebe, Wilde Karde, Ehrenpreis, Kleiner Klappertopf, Natternkopf, Knabenkraut, Scharbockskraut und viele mehr nutzen.

Ich hoffe Ihr genießt den Frühling mit Bärlauch und vielleicht habt ihr auch ein paar Rezepte die Ihr mit uns in der Rubrik Heidensterz teilen wollt.

Quellen:
www.donauauen.at
www.verbund.com

Kursunterlagen Natur- und Landschaftsführer, LFI St. Pölten


[1] Brunnader: Bei Hochwasser bricht ein Fluss aus und erzeugt im Hinterland Mulden und Gräben. Befinden sich unter diesen Gräben und Mulden Schotterablagerungen hat das Grundwasser hier (an der tiefsten Stelle des Geländes) die Chance an die Oberfläche zu steigen. Durch die Filterwirkung des Schotters wird das Wasser fast gänzlich frei von Schwebstoffen. Die Brunnadern sind ein typisches Begleitgewässer von Flüssen wie die Donau, die Traun, die Traisen und dem Inn.

[2] Geophyten: Pflanzen, deren Überdauerungsorgane (Rhizome, Zwiebeln, Knollen, Wurzelsprossen) im Boden liegen und dadurch geschützt sind.